Rezension,  Romantasy

Rezension zu “Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke” von Julia Dippel

Anfangs konnte mich der Klappentext des Buches einfach nicht überzeugen, weshalb ich sehr lange um „Cassardim“ herum geschlichen bin. Aufgrund dessen habe ich mir etwas ganz anderes unter der Geschichte vorgestellt, doch nun bereue ich es fast, das Buch nicht schon früher gelesen zu haben. Schließlich war ich nämlich von der ersten Seite an in diesem Buch gefangen und konnte es bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen.

“Und auch das Chaos begriff ich, soweit man es überhaupt begreifen konnte. Es war weder gut noch schlecht, sondern nur die andere Seite des Seins. Ohne das Chaos konnte die Ordnung nicht bestehen. Und wer die Ordnung brach, der lockte das Chaos an.”

Cassardim von Julia Dippel, Seite 377

Julia Dippel beschreibt das Reich Cassardim sehr bildlich und für den Leser leicht verständlich. Allein die Idee hinter Cassardim ist einfach phantastisch. Dann auch noch zu merken, wie wunderbar alles ausgearbeitet war, hat mich einfach nur begeistert. In jeder einzelnen Zeile ist die Liebe zum Detail spürbar, vor allem bei der Beschreibung des Reiches. Doch auch die Magie, die Julia Dippel in diesem Buch erschaffen hat, ist fast gar nicht mit Worten zu beschreiben. Diese ist für mich etwas ganz besonderes und einfach einzigartig. 

“Cassardim zu beschreiben, ist genauso unmöglich, wie das Sonnenlicht einzufangen oder eine Melodie in Worte zu fassen.”

Cassardim von Julia Dippel, Seite 112

Die weibliche Protagonistin Amaia und ihre Geschwister konnte ich direkt in mein Herz schließen. Einerseits war es sehr interessant, andererseits aber auch etwas schockierend und traurig, mit wie vielen Geheimnissen die Geschwister aufgewachsen sind. Und vor allem, wie viele Geheimnisse sich um ihre Identität gerankt haben, war für mich nicht nur einmal herzzerreißend.

Ich habe die Gefühle und Beweggründe von Amaia auf Anhieb nachvollziehen können und ihre immer währende Neugierde hat mich angesteckt. Sie lässt sich nicht blenden, hinterfragt jede Entscheidung und hat einen sehr starken Willen. Vor allem ihr starker Willen ist für den Verlauf der Geschichte elementar wichtig und hat mich immer wieder beeindruckt.

“Aber wenn ich Euch einen guten Rat geben dürfte: Wir Cassarden verlieren unser Herz nur ein einziges Mal, also überlegt Euch gut, an wen Ihr es verschenken wollt – es könnte für die Ewigkeit sein.”

Cassardim von Julia Dippel, Seite 157

Aber auch die Persönlichkeit ihrer Geschwister wurde mit viel Individualität ausgearbeitet. Diese sind nicht einfach nur irgendwelche Personen, die nebenbei agieren, sondern werden zentral in die Geschichte eingebunden und sind sehr wichtig für deren weiteren Verlauf.

Nicht nur einmal wurde ich während des Lesens überrascht. Ich habe mir über viele Situationen Gedanken gemacht, vor allem, wie diese sich entwickeln könnten. Doch im Endeffekt ging es immer in genau eine andere Richtung, was die Geschichte noch um einiges spannender gemacht hat. So hat Julia Dippel es geschafft, mich immer wieder auf eine falsche Fährte zu führen. 

“Alltag. Nur eben nicht so, wie wir es aus der Menschenwelt kannten. Hier funktionierte alles ohne Elektrizität oder Motoren. Es gab weder Handys noch Jeans noch Plastik. Quasi ein Paradies für alle Klimaschützer.”

Cassardim von Julia Dippel, Seite 133

Darüber hinaus sind die Thematiken, die in diesem Buch behandelt werden, sehr gut aufeinander abgestimmt, wovon ich anfangs nicht ausgegangen bin. Zum einen geht es um Cassardim als Totenreich mit all seinen Aufgaben und zum anderen um die hierarchischen Strukturen eben diesem. 

Ich finde es wirklich bewundernswert, wie man mit seiner eigenen Phantasie so eine unfassbar geniale Geschichte zum Leben erwecken kann. Es hat einfach alles perfekt zusammen gepasst und harmonisiert. Doch vor allem das Totenreich Cassardim gibt der Geschichte eine enorme Individualität. Nicht umsonst ist dieses Buch eines meiner Jahreshighlights 2020!

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