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Rezension zu “Als ob du mich siehst” von Michelle Schrenk

Werbung (Rezensionsexemplar): Bei „Als ob du mich siehst“ handelt es sich um das aller erste Buch, was ich von Michelle Schrenk  gelesen habe, weshalb ich umso gespannter auf ihre Geschichte war. Zudem hatte ich das große Glück, ihr neustes Werk schon vorab lesen zu dürfen. Dieser Umstand hat meine Meinung natürlich in keiner Form beeinflusst.

Darum gehts:

Zurück in ihrer Heimatstadt wünscht sich Elisa nichts sehnlicher als einen Neuanfang. Bis jetzt hat es ihr das Leben nicht wirklich leicht gemacht, aber damit ist nun Schluss. Ihr Plan: Sie wird sich nie wieder das Herz brechen lassen und jeder schlechte Moment soll in einen Guten umgewandelt werden. Doch als sie bei ihrem Umzug auf Joan trifft, scheinen ihre Pläne bald ins Wanken zu geraten. Sie spürt nicht nur dieses stetige Kribbeln in seiner Gegenwart, sondern Elisa findet zudem heraus, dass er ebenfalls ein bewegendes Geheimnis verbirgt. Und während die Beiden langsam die Fassade des jeweils Anderen durchblicken, merken sie, dass jeder Moment zählt, egal wie dunkel er auch scheint..

Die Erzählperspektive war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da die Geschichte aus der Gegenwart erzählt wird. Da mir diese Erzählform bis jetzt noch nicht allzu häufig begegnet ist, war es für mich anfangs eine extreme Umstellung. Zudem stößt der Leser hier nicht wie üblich auf die Bezeichnung „Mann“ und „Frau“, sondern auf „Mädchen“ und „Junge“, was mich anfangs sehr gestört hat. Für mich sind die Protagonisten mit einundzwanzig Jahren schon erwachsen, weshalb ich diese Bezeichnung als unpassend empfunden habe. Aufgrund dessen habe ich den Roman eher als Jugendbuch eingestuft, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht.

“Gedanken, immer diese Gedanken. Ja, ich denke wirklich zu viel, dauernd, ständig, immerzu. Ich frage mich, ob das jemals aufhören wird. Denn ich denke nicht nur, ich zerdenke die Dinge.”

“Als ob du mich siehst” von Michelle Schrenk, Pos. 2102-2104 Ebook

Schon das erste Kapitel, welches für mich eher als Prolog fungiert, lässt vermuten, dass Elisa in ihrer Vergangenheit sehr viel Schlechtes erleiden musste. Ihre Gedanken schweifen immer wieder in die besagte Vergangenheit ab, wodurch sich oftmals ein Gedankenkarusell entwickelt. Doch durch ihre Vergangenheit hat sie nicht nur enorme Probleme mit sich selbst, sondern auch mit Anderen. Ihr fällt es sehr schwer, von ihren Mitmenschen Hilfe anzunehmen, was mir manchmal etwas zu verbissen vorkam. So kam ich immer wieder zu der Frage: Was hat sie erlebt und erleiden müssen?

Mit ihrer Rückkehr nach Nürnberg versucht Elisa ihr Leben umzukrempeln und einen Neuanfang zu wagen. Dieser Schritt ist sehr mutig und zeugt davon, dass sie etwas ändern möchte. Um sich selbst zu unterstützen, aber auch in gewisser Weise zu schützen, hat sie sich einen Plan zurecht gelegt. Anfangs war ich von diesem Plan auch echt begeistert, doch irgendwann hatte ich auch das Gefühl, dass sie ihn dazu nutzt, für bestimmte Dinge Ausreden zu finden.

“Ich möchte neu anfangen, anders sein. Doch auch wenn man neu anfängt, trägt man noch immer Gepäck mit sich herum, das man nicht einfach abwerfen kann.”

“Als ob du mich siehst” von Michelle Schrenk, Pos. 981-982 Ebook

Es gab einige Situationen, in denen ich Elisas Verhalten einfach nicht nachvollziehen und gutheißen konnte. Gerade in Bezug auf Joan wirkte ihr Verhalten auf mich des Öfteren eher unangemessen und überzogen, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich Elisas Erlebnisse nicht verstehe oder nachvollziehen kann, doch es wurde mir irgendwann etwas zu viel, wodurch mir mein Verständnis für sie etwas verloren gegangen ist.

Richtig schön fand ich die Thematik der Sterne, die in dem Buch des Öfteren behandelt wurde. Die Sterne haben für Elisa eine sehr besondere Bedeutung und schweben somit über der ganzen Geschichte. Sie stehen als Sinnbild für viele Dinge in ihrem Leben und dieser Aspekt gibt der Geschichte noch mal einen ganz besonderen Flair.

“Viele Geschichten, die wir Menschen erleben, sind unheimlich tragisch. Momente, die einen fast zerbrechen. Aber weißt du, was gut daran ist? Diese Momente gehören dazu. Denn sonst gäbe es so viele Geschichten nicht. So ist das Leben.”

Die neue Mitbewohnerin von Elisa fand ich von Anfang an super sympathisch. Die Beiden verstehen sich auf Anhieb sehr gut, da Louisa ein sehr offener und unvoreingenommener Mensch ist. Sie hinterfragt manche Situationen und Verhaltensweisen in genau den richtigen Momenten und ist immer für Elisa da. Doch sie ist nicht einfach nur eine Freundin für Elisa. Die Autorin hat mit ihr einen Nebenstrang erschaffen, der parallel zu Elisas und Joans Geschichte verläuft. Dadurch wirkte die Geschichte direkt viel abwechslungsreicher, da sie sich so nicht nur auf die beiden Protagonisten konzentriert hat.

Doch auch die anderen Nebencharaktere waren richtig toll ausgearbeitet. Der Leser hatte die Möglichkeit, Jass und Kale „wiederzusehen“ und auch deren Freunde. Man merkte in jeder einzelnen Zeile sofort die Liebe und das Herzblut für jeden einzelnen Charakter, denn sie existieren nicht einfach nur nebenher, sondern greifen ins Geschehen mit ein und sind daran beteiligt.

Auch wenn ich meine Probleme mit Elisa hatte, habe ich großes Mitleid mit ihr und ihrer Situation empfunden. Dieses Buch birgt eine sehr tiefe Botschaft und behandelt ein Thema, welches ich in der Form noch nie zuvor gelesen habe. Im Verlauf der Geschichte überkam mich immer wieder eine Gänsehaut. Vor allem, als immer und immer mehr ans Licht kam, was Elisa und Joan in ihrer Vergangenheit erlebt haben. Am Ende war ich sogar den Tränen nahe, so sehr hat mich das Schicksal der Beiden berührt.

Ein Kommentar

  • Mandy

    Ich finde, dass du mit der knappen Zusammenfassung mir mehr Lust auf das Buch gemacht hast, als der eigentliche Klappentext. Aber leider schrecken mich die Aspekte, die du angesprochen hast, doch sehr ab. Gerade die Zeit und dass die Autorin von “Mädchen” und “Jungen” spricht, obwohl beide erwachsen sind. Denn als ich in dem Alter war, wollte ich auch nicht mehr als Mädchen betitelt werden.
    Leider wird es kein Buch werden, das sich meiner Sammlung anschließen wird, weil es einfach zu viel enthält, dass mich absolut abschreckt. Schade, denn das Cover ist wirklich schön, weswegen ich einen Blick darauf geworfen habe.
    Svenja, du hast einen super Job gemacht. Nach den anderen Rezensionen, die meist 90% meiner Meinung entsprachen, kann ich mich ganz darauf verlassen, was du schreibst. 🙂

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